Nach Griechenland, Irland und Portugal ist jetzt auch das hoch verschuldete Italien ins Visier der Spekulanten und Ratingagenturen geraten. Klar ist: Fällt Italien, dann fällt auch der Euro. Doch das Verdummungsspiel der Verantwortlichen geht munter weiter. Kopp berichtet.
Es war absehbar, dass auch Italien in den Abwärtsstrudel der europäischen Schuldenkrise geraten würde. Warum die Verantwortlichen jetzt so überrascht darüber sind, ist nur mit Ignoranz, Unwissen oder Vorsatz begründbar. Italien ist ein Schuldenstaat, wie er im Buche steht: 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts beträgt die Gesamtverschuldung, DOPPELT soviel, wie im Maastrichtvertrag vorgeschrieben. Das ist schon viele Jahre so. Doch sogenannte »Experten« gaben immer wieder Entwarnung, weil die Staatsanleihen ja vorwiegend in der Hand inländischer Gläubiger wären. Na und? Auch die wollen Zinsen für ihr Geld.
Jetzt haben Spekulanten und Ratingagenturen das Land endlich abgestraft. Jetzt muss Rom endlich handeln, anstatt Zeit mit unnützen Parlamentsdebatten und körperlichen Angriffen der Abgeordneten untereinander zu vertrödeln. Denn eines ist sicher: Italien, als drittgrößte EU-Volkswirtschaft, ist bei Weitem zu groß, um mit einem Notkredit gerettet werden zu können. Die Fakten sprechen jedoch nicht FÜR, sondern gegen das Land:
- Italien zählt neben Portugal, Irland, Griechenland und Spanien bereits zu den sogenannten »PIIGS-Staaten«; nicht gerade rühmlich für ein Land, das sich selbst zu den führenden Industrienationen rechnet.
- Rating-Agenturen bewerten Italien ähnlich negativ wie Irland, Malta und Portugal.
- Schon seit 20 Jahren balanciert das Land am Abgrund eines Staatsbankrotts.
- Italien sitzt auf dem höchsten staatlichen Schuldenberg Europas, dem dritthöchsten auf der ganzen Welt: 120,3 Prozent des BIP; 2010 betrug die Verschuldung 1,84 Billionen Euro. Damit sind die Staatsschulden höher als das Bruttoinlandsprodukt.
- Die Neuverschuldung beträgt 5,3 Prozent des BIP, doppelt so viel wie bisher.
- Mehr als 13 Prozent der Familien leben unterhalb der Armutsgrenze.
- Die Arbeitslosigkeit ist hoch, sie beträgt zehn Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit ist noch höher.
- Italien hat mit Spanien die niedrigste Geburtenrate in Europa.
- Es gab in den vergangenen Jahren katastrophale Einschnitte im Bildungs- und Gesundheitssystem.
- Um das Drei-Prozent-Kriterium des Maastrichtvertrages zu erfüllen, müssten Italiens Staatsausgaben um 37,6 Milliarden Euro sinken.
- Allein in diesem Jahr muss Italien aber etwa 273 Milliarden Euro frisch am Markt aufnehmen.
- Die exportorientierte Wirtschaft ist so hart getroffen, wie seit 20 Jahren nicht mehr.
- Thomson Reuters bewertet die Bankrottwahrscheinlichkeit Italiens bereits mit 26 Prozent.
Dennoch verdummen uns die Verantwortlichen mit ihren Aussagen wie im Falle Griechenlands,
Irlands und Portugals immer weiter. Wieder trat Angela Merkel vor die Mikrofone und wieder dieselben Phrasen: Sie habe »volles Vertrauen«, dass die italienische Regierung die notwendigen klaren Entscheidungen treffen werde. Ja, das sagte sie auch schon bei Griechenland, Irland und Portugal. Das Bundesfinanzministerium ließ schnell verlauten: »Italien ist nicht gefährdet« und spricht sich damit zugleich die fachliche Legitimation ab. Wie blind und taub muss man denn sein?
Gegenüber Griechenland hatten deutsche Banken etwa 18 Milliarden Euro Forderungen, gegenüber Italien aber 116,1 Milliarden. Es geht also um viel mehr als um Italien, es geht um unsere Währung und um unsere Ersparnisse.
Die weitere Herabstufung irischer Staatsanleihen auf Ramschstatus, genauso wie die Portugals und die sicher kommende Umschuldung Griechenlands offenbart eines: Das Endspiel um den Euro hat begonnen.
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